Friedenskirche Charlottenburg: Senatorin Dr.Heidi Knake-Werner verleiht im Roten Rathaus die Berliner Ehrennadel an Frau Esther Holz
Aufgrund ihrer fast als 30jährigen ehrenamtlichen und sozialdiakonischen Tätigkeit in der Begleitung und Betreuung von sozial-schwachen Personen hat sich Frau Esther Holz einer Würdigung ihres Engagements verdient gemacht.
Esther Holz, Jahrgang 1928, hat 4 erwachsene Kinder und ist seit 1943 Kirchenmitglied der EFG Berlin-Charlottenburg. Zeitweise war sie Teil des Leitungsgremiums unserer Kirchengemeinde.
Ihr ehrenamtliches Engagement begann 1979 als Mitarbeiterin in der Teestube Charlottenburg. Begegnungsstätte für junge Menschen im Bezirk Charlottenburg. Sie organisierte Diskussionen zu aktuellen Themen des Lebens und des Glaubens. In der Regel besuchten bis zu max. 60 Jugendliche die Einrichtung. Ab ca. 1981 besuchen immer mehr ausländische Gäste das offene Angebot der Kirchengemeinde. Ab 1989 entstand in den Räumlichkeiten der Teestube ein 5-tägiges Erholungsangebot für die Grenzgänger mit Angebot von Kaffee/ Imbiss und Gesprächsmöglichkeit.
Ab 1999 entwickelte sich das Wochenkaffee unter ihrer Mitwirkung in eine sog. Kältestube – der „Kreuzpunkt“- unter der Förderung des BA Charlottenburg. Gäste sind nun Obdachlose, Suchtkranke und sozial Schwache.
Des weiteren war Frau Esther Holz seit über 20 Jahren mit ihrem verstorbenen Mann aktives Mitglied in der „Gesellschaft für deutsch-jüdische Zusammenarbeit“ sowie der „Deutsch israelischen Gesellschaft e.V.“
Frau Esther Holz ist und war bei den Gästen und MitarbeiterInnen nicht wegen nur ihrer ausgleichenden, ruhigen Art geschätzt, sondern auch wegen ihrer geistlichen Kompetenz. (Ihr Motto: "Bete und arbeite") und nie ausbleibenden Humor.
Obwohl schon im 80. Lebensjahr stehend - dies also in einem Alter, in dem viele Menschen bereits ihren Ruhestand leben - stellte sich Frau Esther Holz einer Wahl zur Gemeindeleitung (Kirchenvorstand) in der EFG Berlin-Charlottenburg und war hier schwerpunktmäßig Interessenvertretung für die Arbeit des „Kreuzpunktes“
In Gemeinde aktuell Ausgabe Dezember 2008 erschien anlässlich der Verleihung der Ehrennadel ein Interview mit Esther Holz:
Zweimal im Jahr verleiht der Berliner Senat an verdiente Bürger und Bürgerinnen die „Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement“. Eine dieser verdienten Bürgerinnen ist Esther Holz (EH), Mitglied dieser Gemeinde.
GA: Esther, du bekommst am 05.12. Berliner Ehrennadel für besonderes
soziales Engagement verliehen. Was sagst du dazu?
EH: Ich bin ganz überrascht. Das hätte ich nicht erwartet. Ich freue mich sehr darüber. Ich sehe darin auch eine Würdigung unserer
Gemeindearbeit.
GA: Die Berliner Senatorin Dr. Heidi Knake-Werner hat dich ausgewählt, weil du dich 30 Jahre lang durch besonderes
ehrenamtliches Engagement hervorgetan hast. Worin bestand dein Engagement?
EH: Am Anfang habe ich bei der Teestubenarbeit unserer Gemeinde mitgemacht, die jeden Freitagabend in dem Ladenlokal an der Straße geöffnet hatte- ein offenes Angebot für Interessierte. Nach der Öffnung der Mauer war ich dann beim Wochencafé mit dabei. Wir haben jeden Tag Brot und Kaffee für die Passanten angeboten und viele DDR-Bürger schauten in unseren Räumen vorbei. Mittlerweile arbeite ich im Sozialcafé KreuzPunkt mit. Unsere Besucher sind vor allem Langzeitarbeitslose.
GA: Warum machst du das alles?
EH: Ich sehe das einfach als meine Aufgabe an. Als ich in den 70er Jahren mit dieser Arbeit anfing, hatte ich eigentlich eine Anstellung als Aushilfe bei C&A. Die habe ich dann gekündigt. Das war kurz vor Weihnachten und meine Kollegen konnten das überhaupt nicht verstehen, denn gerade während der Adventszeit lief das Geschäft besonders gut. Aber wenn ich weiter dort gearbeitet hätte, hätte ich die Teestubenarbeit nicht machen können und da kamen Menschen, die wirklich viel durchgemacht haben. Ich habe gemerkt, die Arbeit mit Menschen ist mir einfach wichtiger. Ich möchte dazu beitragen, Ihnen eine Perspektive fürs Leben zu geben und ihnen zu zeigen, dass sie auch wertvoll sind. Und das, was man investiert, bekommt man auch wieder, indem einem Dankbarkeit und Freude gezeigt wird. Wer bei dieser Arbeit mitmacht, merkt das schnell und arbeitet dann gerne und länger mit.
GA: Vielen Dank für das Gespräch.
(aus: Gemeinde aktuell, Dezember 2008)