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Chronik Kapitel


Wiederaufbau und Neuorientierung 1946 bis 1959

Schon bald nach Beendigung des Krieges nimmt der Besuch der Gottesdienste merklich zu. Nicht nur einige der evakuierten Mitglieder der Gemeinde kehren zurück, sondern auch fremde Besucher finden sich ein. Es ist zu spüren, daß Menschen unter den Schlägen der Gegenwart nach Halt und Sinn suchen. Der Gemeindepastor Karl Schütte nimmt die Gelegenheit war und macht ein spezielles Angebot: Glaubensgespräche für "suchende Menschen", sogenannte "Heilsstunden". Diese Veranstaltungen werden dankbar angenommen, und nicht wenige der Besucher schließen sich der Gemeinde an. So werden in den ersten drei Jahren nach Kriegsende 90 Menschen in der Friedenskirche getauft.

Schwester Friederike und Ernst Wank, der nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft vertretungsweise in der Gemeinde in Leipzig gearbeitet hat und nun als deren Prediger berufen wurde, verabschieden sich von der Gemeinde im Jahre 1946. Schwester Esther Schüttel wird noch im Mai desselben Jahres als Gemeindeschwester berufen. Trotz der fast lückenlosen Nachfolge in diesem Amt, wird die Beanspruchung des Predigers durch seelsorgerliche Aufgaben und den Wiederaufbau der Gemeinde immer größer. So stimmt die Leitung der Gemeinde nur zögernd zu, als Karl Schütte von der Bundes- und Vereinigungsleitung den Auftrag erhält, für eine Woche jeden Monat die sich in Vorpommern und Mecklenburg neu bildenden Flüchtlingsgemeinden zu betreuen. Die Lage wird nicht vereinfacht dadurch, daß Felix Kaiser seit Kriegsende außerhalb von Berlin lebt und 1947 sein Ältestenamt niederlegt, weil aus beruflichen Gründen eine Rückkehr nach Berlin unmöglich wird. An seiner Stelle beruft die Gemeinde Reinhold Thomas in das Amt des Ältesten. In der Station in Siemensstadt nimmt man die Arbeit wieder außerhalb der Wohnungen im Jugendheim Schuckertdamm auf. Lediglich die Sonntagschularbeit findet zunächst noch in der Notwohnung des Ehepaars Timm statt. Als sich jedoch schon bald sonntäglich regelmäßig 70 Kinder einfinden, wird auch dieser Zweig der Stationsarbeit in das Jugendheim verlegt.

Derweil hat man in der Muttergemeinde bereits 1946 Überlegungen zum Wiederaufbau der Kapelle angestrengt. Der erste Kostenanschlag beläuft sich auf 30.000,- Mark. Jedoch wird es bald deutlich, daß diese Summe vermutlich um ein Mehrfaches überschritten werden muß. Man beschließt, auf der Westseite drei Fenster durchbrechen zu lassen, um im Gottesdienstraum mehr Licht zu schaffen. Zugleich wird das Fenster auf der Nordseite hinter der Kanzel bis auf die Rosette zugemauert. Dasselbe Schicksal ereilt das Fenster auf der Südseite hinter der Orgel. Erhebliche, unvorhergesehene Arbeiten sind nötig, um die Seitenwände, die durch den Luftdruck der Bombenexplosionen aus dem Verband gedrückt worden waren, und die Dachkonstruktion ordnungsgemäß wiederherzustellen. So muß der Zeitpunkt der Kapelleneinweihung immer wieder hinausgeschoben werden, bis in das Jubiläumsjahr 1948. Am 22. Februar findet die feierliche Einweihung der wiederaufgebauten Friedenskapelle statt, an dem auch Vertreter der Militärregierungen und der städtischen Behörden teilnehmen. Die gesamten Baukosten belaufen sich schließlich auf 228.000,- Mark, von denen die Hälfte durch freiwillige Spenden der Mitglieder gedeckt werden. Der Initiative des Ältesten Reinhold Thomas ist es zu verdanken, daß die Bauarbeiten vor dem Eintritt der Währungsreform, welche die Gemeinde vor neue, finanzielle Belastungen stellt, abgeschlossen werden.

Im Jubiläumsjahr muß man auch Abschied nehmen von dem langjährigen Prediger Karl Schütte, der eine Stelle als Schriftleiter im "Oncken-Verlag" des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden annimmt. David Gritzki aus Halle wird noch im August desselben Jahres als Prediger berufen und im April 1949 in den Gemeindedienst in Charlottenburg eingeführt. Während sich der innere und äußere Aufbau der Gemeinde stetig voranbewegt, spitzt sich die Krise in der besetzten Stadt, die in einen amerikanischen, einen englischen, einen französischen und einen sowjetischen Sektor aufgeteilt ist, immer weiter zu. Zunehmend wird deutlich, daß die Interessen und Ziele der sowjetischen Besatzungsmacht denen der Westalliierten entgegen laufen. Die Auseinandersetzungen finden einen vorläufigen Höhepunkt, als die sowjetische Militärverwaltung Mitte 1948 für ihre Besatzungszone und für alle vier Sektoren Berlins die "Ostmark" einführen. Da diese Maßnahme den Viermächtestatus Berlins verletzt und außerdem die wirtschaftliche Abhängigkeit der Westsektoren vom sowjetisch besetzten Teil Deutschlands bedeutet, nehmen die Westalliierten diesen Schritt nicht tatenlos hin und verfügen die Außerkraftsetzung der sowjetischen Anordnung. Die drei westlichen Stadtkommandanten von Berlin führen für West-Berlin die schon in der "Westzone" geltende "Westmark" ein, was die sowjetische Besatzung prompt mit der Blockade der Berliner Westsektoren beantwortet.

Der einzige Ausweg unter Verzicht auf eine militärische Konfrontation ist die Versorgung West-Berlins auf dem Luftwege. Zwischen dem 28. Juni 1948 und dem 12. Mai 1949 fliegen amerikanische und britische Piloten in insgesamt fast 280.000 Flügen mehr als 2 Millionen Tonnen Güter nach West-Berlin. In dieser Zeit wird die Stadt praktisch geteilt. Die administrative Spaltung wird am 30. November 1948 durch die Ausrufung des sogenannten "provisorischen demokratischen Magistrates" in Ost-Berlin vollzogen. In der Chronik der Gemeinde ist von diesen Ereignissen und ihren Auswirkungen auf das Leben in der Gemeinde und das ihrer Mitglieder merkwürdigerweise mit keinem Wort die Rede, so wie auch später eines der einschneidendsten Ereignisse in der Geschichte der Stadt - der Mauerbau von 1961 - vollkommen unerwähnt bleibt. Dabei erinnern sich Zeitzeugen, daß die Blockade Berlins durchaus ihre Auswirkungen im Gemeindeleben hatte. Des öfteren bringen Mitglieder Preßkohlen mit, damit in den Gemeinderäumen während der kalten Monate geheizt werden kann. Während der Stromsperren, als keine Straßenbahn fährt, kommen manche zu Fuß zum Teil aus weit entfernt gelegenen Bezirken wie Neukölln in die Versammlungen in der Charlottenburger Friedenskapelle. Hilfe in politisch und wirtschaftlich brisanter Zeit kommt allerdings nicht nur von außen und "oben", sondern wird auch innerhalb der Gemeinde selbst organisiert. So gibt es für Rentner und Arbeitslose 1951 Fahrgeld aus der sogenannten "Unterstützungskasse" und man kümmert sich intensiv um bedürftige Mitglieder.

Das diakonische Anliegen der Gemeinde wird in den Jahren zwischen 1952 und 1955 dann in konkreter Weise bedacht: man plant den Bau eines Altenheimes auf dem gemeindeeigenen Grundstück in der Kirschenallee. Die Konkretisierung der Pläne gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht, und die Bemühungen um den Erwerb eines zusätzlich nötigen Grundstücks scheitern endgültig 1955. In der Zwischenzeit finden manche besonderen Ereignisse in der Friedenskapelle statt. Evangelisationswochen werden zum Beispiel fast jährlich veranstaltet - nicht selten zweimal im Jahr. Das missionarische Engagement der Gemeinde bleibt nicht ohne Frucht. Jedes Jahr werden regelmäßig eine große Zahl von Menschen, die der Kirche und dem christlichen Glauben entfremdet waren, getauft. Im Jahre 1953 zählt die Gemeinde 800 Mitglieder.

Im selben Jahr - wie auch schon zwei Jahre zuvor - ist die " Bundeskonferenz" des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden zu Gast in der Friedenskapelle. Dies bedeutet nicht nur die Mitarbeit vieler, sondern auch manche finanzielle Investition, da man im Blick auf diese Veranstaltung, bei der Repräsentanten aller Bundesgemeinden anwesend sein werden, verbliebene Kriegsschäden an Haus und Kapelle beseitigen will.

Überhaupt hat es mit dem Bauen und Umbauen kein Ende. 1956 geht ein weiterer größerer Umbau der Gemeinde zu Ende, so daß wieder einmal eine Einweihung gefeiert wird.

Im Jahre 1958 findet nach fünfzig Jahren der zweite Europäische-Baptistische Kongreß in Berlin statt. Drei Spruchbänder in der Deutschlandhalle verkünden das Thema: "Christus unsere Hoffnung - Europa unsere Verantwortung." Beim Anblick dieses Mottos werden viele Besucher an andere Banner erinnert, die ja vor nicht langer Zeit in Berlin und anderswo prangten, um den Haß zwischen den europäischen Völkern zu schüren. Diesmal ist die Botschaft eine verbindende und versöhnliche. Die Berliner Gemeinden werden durch die Großveranstaltung stark beansprucht. Auch in der Gemeinde Charlottenburg setzt man sich ein. Vor allem Quartiere für ausländische Kongreßgäste werden benötigt. Selbst zum Teil in nur dürftig ausgestatteten Zwei-Zimmer-Wohnungen lebend, kommen manche Gemeindemitglieder für die Tage des Kongresses auf engstem Raum in Kontakt mit den europäischen Nachbarn. "Der Tagesspiegel" vom 31. Juli 1958 berichtet über den Kongreß: "Man kann über Glaubensformen streiten, aber nicht über Begeisterung und Hingabe der Gläubigen.

'Wir hoffen auf Christus, denn wir sind Christen, und dies ist Christentum', sagte der Engländer Dr. G. R. Beasley-Murray. Mit mutiger Selbstkritik betrachtete man das Wirken der Gemeinden und das Verhalten der Mitglieder. ... Faßt man alle Eindrücke, die dieser Kongreß hinterließ, zusammen, so kann auch der Außenstehende das hohe Maß an Verantwortungsbewußtsein nicht leugnen. Die Baptisten sind innerhalb des Christentums nur eine - wenn auch bedeutende - Gruppe, aber sie sind wie alle Christen beauftragt, den christlichen Ursprung Europas in lebendige Gegenwart zu verwandeln."

Der Älteste der Gemeinde, Reinhold Thomas, der die Gemeinde in der Aufbauphase mit viel Einsatz und Umsicht geleitet hat, stirbt im August 1958. Vorübergehend übernimmt der Prediger David Gritzki dessen Amt mit. Er wird jedoch bereits im folgenden Jahr als Prediger und Seelsorger in das Diakoniewerk Bethel berufen. Der Nachfolger David Gritzkis, Ernst Krischik, der im Mai 1959 seine Arbeit in Charlottenburg beginnt, übernimmt beide Ämter für die nächsten vier Jahre.
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