Wenn Jugendliche Politiker*innen löchern: Eine Woche der Beteiligung

Zwei Abende, ein gemeinsames Ziel: In dieser Woche hat die Friedenskirche Charlottenburg junge Menschen und die queere Community mit der Lokalpolitik ins Gespräch gebracht – beim U16-Beteiligungsprojekt und bei der Queeren Wahlarena.

Los ging es bereits eine Woche zuvor: Das Beteiligungsprojektteam war mit drei mobilen Wahlkabinen, bestehend aus Lastenfahrrädern, in Charlottenburg-Wilmersdorf unterwegs, um Kinder und Jugendliche direkt anzusprechen – keine kleine Zielgruppe: Rund 43.000 der knapp 370.000 Einwohner*innen des Bezirks sind unter 16 Jahre alt. Den Auftakt der Gesprächsabende machte am Donnerstag eine eineinhalbstündige Gesprächsrunde im Haus der Jugend Zillestraße, bei der sich Vertreter*innen der Fraktionen im Jugendhilfeausschuss den Fragen der jungen Menschen stellten: Cordula Kollotschek (CDU), Dr. Ann-Kathrin Biewener (SPD), die Ko-Fraktionsvorsitzende Frederike-Sophie Gronde-Brunner (Die Linke) und Gregor Kadow (AfD). Sascha Taschenberger (Bündnis 90/Die Grünen) musste krankheitsbedingt absagen. Direkt, ehrlich, manchmal anstrengend – und musikalisch aufgelockert von der Band „Starnotes" der St. Hildegard-Schule. Auch hier zeigte sich, wie ernst der Bezirk das Thema nimmt: Jugendamtsdirektorin Sonya Maouffi und Jugendstadtrat Simon Hertel nahmen ebenso teil wie Vertreter*innen des Kinder- und Jugendparlaments (KJP) Charlottenburg-Wilmersdorf.

Nur einen Tag später, am Freitag vor der Wahl, ging es um queere Perspektiven auf die Bezirkspolitik: Bei der Queeren Wahlarena saßen auf dem Podium Luca Renner (Parteivorstand DIE LINKE Deutschland), René Powilleit (Landesvorsitzender LSU Berlin), Timo Vogler (stellvertretender Landesvorsitzender SPDqueer Berlin) und Sascha Krieger (Sprecher LAG queergrün Berlin), moderiert von Bastian Schmidt, Mitarbeiter für queere Jugendarbeit bei der Friedenskirche. Kritische Fragen, klare Kante, offener Austausch – unabhängig davon, ob die eigene Wahlentscheidung schon feststand. Unter den Gästen im Publikum: Judith Stückler (CDU), BVV-Vorsteherin von Charlottenburg-Wilmersdorf und Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Charlottenburg-Nord.

Dass ausgerechnet die Friedenskirche beide Formate organisiert, kommt nicht von ungefähr: Als Baptistengemeinde ist sie von jeher demokratisch organisiert, und junge Menschen lernen im baptistischen Jugendverband Gemeindejugendwerk früh, sich einzubringen und mitzuentscheiden. Finanziert werden beide Projekte, die fur “die Stadt das Beste suchen”, vom Jugendamt Charlottenburg-Wilmersdorf, das dafür insgesamt drei Personalstellen bei der Friedenskirche fördert.